1 Klimaneutrale Fernwärme
Ein Kernelement für eine zukunftsweisende Wärmeversorgung sind weit verzweigte Fernwärmenetze, die zu 100 % klimaneutral versorgt werden. Um das zu erreichen, fordern wir:
- Das Fern- bzw. Nahwärmenetze wird auf alle geeigneten Quartiere (gemäß der kommunalen Wärmeplanung) ausgeweitet. Die entega unterbreitet allen Bürgerinnen und Bürgern in aktuellen Fernwärmegebieten ein Angebot für einen Fernwärmeanschluss.
- Zur Erreichung der Klimaneutralität werden weitere erneuerbare Wärmequellen (Geothermie, Großwärmepumpen, Solarthermie) und Abwärme (aus Abwasser oder Industrie) erschlossen und in die Fernwärme eingespeist. So erfolgt eine schrittweise Erhöhung des Anteils der klimaneutralen Wärme im Fernwärmenetz auf mindestens 80 % bis 2030 und 100 % bis 2035.
- Für städtische Gebäude, die an die Fernwärme angeschlossen werden, wird vertraglich festgelegt, dass diese bis 2035 klimaneutral versorgt werden.
- Kurz- oder maximal mittelfristig spielt das Müllheizkraftwerk auch mit der Verbrennung von Restmüll noch eine Rolle in der Darmstädter Fernwärme. Langfristig braucht es dafür eine wirklich klimaneutrale Lösung. Hierfür sollen Stadt und entega ein Konzept vorlegen.
- Um eine bessere Einbindung erneuerbarer Energien zu gewährleisten und Energieverluste zu reduzieren, wird die Vorlauftemperatur in Bestandsnetzen so weit wie möglich abgesenkt. Außerdem wird die Einbindung von saisonalen Wärmespeichern, insbesondere Aquifer-Wärmespeichern wie der GeoSpeicherBerlin [1], geprüft.
- Das Wärmekonzept der Postsiedlung bildet den Mindeststandard für neue Netze. Neue Netze müssen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen betrieben werden (maximal 70°C).
- Kalte Wärmenetze sind in Quartieren zu prüfen, in denen sich ein Anschluss an das heiße Fernwärmenetz nicht lohnt. Außerdem ist zu prüfen, wo Gebäude an den Rücklauf des Netzes angeschlossen werden können.
2 Gasausstieg bis 2035
Für einen transparenten und geregelten Gasausstieg fordern wir:
- Der Fahrplan für einen Gasausstieg bis 2035 wird baldmöglichst veröffentlicht und Bürgerinnen und Bürger werden frühzeitig über Alternativen informiert.
- Die schrittweise Stilllegung des Gasnetzes erfolgt bis 2035.
In Gebieten, in denen bereits 2025 ein Anschluss an die Fern- oder Nahwärme besteht, erfolgt die Abschaltung bereits bis 2030.
3 Energetische Sanierung und Neubauten
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt führt ihre Bemühungen zur Erreichung einer hohen Sanierungsquote fort und weitet diese aus.
- Das Beratungsangebot der Stadt zur energetischen Sanierung wird fortgesetzt und ausgebaut. Bürgerinnen und Bürger brauchen eine zentrale Anlaufstelle in Darmstadt, um sich zur energetischen Sanierung zu informieren.
- Vor allem in Gebieten ohne Fernwärme und Nahwärme setzt die Stadt Maßnahmen um, die den Umstieg zu Wärmepumpen unterstützen.
- Städtische Gebäude als Vorbild: Die Wissenschaftsstadt Darmstadt saniert städtische Gebäude wie Schulen, Kitas oder Turnhallen bis spätestens 2035 und stattet sie mit einer klimaneutralen Wärmeversorgung aus.
- Bei der Quartiersplanung und bei Neubauten muss eine klimaneutrale Energieversorgung von Anfang an eingeplant und umgesetzt werden.
- Die Stadt erstellt ein Förderprogramm für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden.
4 Soziale Wärmewende sichern
Um eine sozialgerechte Transformation zu gewährleisten, braucht es eine transparente Preisgestaltung, Zuschüsse für Haushalte mit geringem Einkommen und eine Härtefallregelung. Wir fordern:
- Zuschüsse zu Energiekosten für Haushalte mit geringem Einkommen und Haushalte, die in Not geraten, werden eingeführt. Als Anregung dient der Nothilfefonds der Energieversorgung Offenbach [2].
- Unterstützung und Förderung beim Einbau einer Wärmepumpe sowie Maßnahmen zur Förderung der Heizeffizienz am Beispiel von enercity in Hannover [3].
- Bezahlbare Wärme für alle – gegen Energiearmut: Der Bauverein als städtische Wohnungsbaugesellschaft wird aufgefordert, einen Fahrplan vorzulegen, aus dem hervorgeht, wie sämtliche Wohnungen bis 2035 saniert werden. Die Stadt unterstützt dies durch Förderung oder Erhöhung des Eigenkapitals.
- Beim Sanier-Förderprogramm der Stadt werden Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen besonders gefördert.
- Die Stadt soll sich weiterhin überregional für Erhöhung der Förderung bzw. Zuschüsse für die Wärmwende einsetzen
5 Ehrliche Kommunikation
Wir fordern ehrliche Kommunikation statt Greenwashing von Erdgas. Für eine klimafreundliche Wärmeversorgung braucht es Wärmepumpen oder einen Fernwärmeanschluss.
- Die entega wird dazu aufgefordert ihr verkauftes Erdgas nicht weiter als „Ökogas“ zu vermarkten. Ausgleichsprojekte schaffen keine echte Klimaneutralität!
- Der Einbau eines Heizsystems, auf Basis fossiler Brennstoffe führt zu einer Verfehlung der Klimaziele. Die entega empfiehlt weder den Einbau von Gasheizungen noch von Hybridsystemen.
- Auch die Verbrennung von Müll setzt CO₂ frei und darf daher nicht als klimafreundlich beworben werden.
6 Technologieklarheit in Bezug auf Wasserstoff
Wasserstoff ist nicht zum Heizen da! Er wird auf absehbare Zeit nur begrenzt verfügbar und deutlich teurer sein als Alternativen.
Wir fordern alle Akteure in Darmstadt dazu auf, sich gegen den Einsatz von Wasserstoff für Gebäudewärme zu positionieren, entsprechend den wissenschaftlichen Erkenntnissen [4, 5].
7 Sektorkopplung – Stromerzeugung
Die Energiewende muss ganzheitlich betrachtet werden.
Es braucht klimaneutralen Strom zur Wärmeversorgung.
Deshalb fordern wir:
- Der Strom für die Erzeugung von Wärme im Wärmenetz – mittels Wärmepumpen- muss zu 100 % klimaneutral sein.
- Das Potenzial der Sektorenkopplung zur Erreichung eines klimaneutralen Gesamtsystems wird ausgeschöpft. Dazu werden Flexibilitäten in der Wärmeerzeugung und Wärmespeicher genutzt. Mit Großwärmepumpen und Elektroboilern wird Wärme aus Strom vorzugsweise dann erzeugt, wenn regenerative Stromquellen verfügbar sind.
- In Gebieten ohne Nah- oder Fernwärme beginnt die e-netz Südhessen jetzt mit dem Ausbau des Stromnetzes, damit dezentrale Wärmepumpen angeschlossen werden können.
- Um eine intelligente Steuerung strombasierter Heizsysteme, insbesondere Wärmepumpen, zu ermöglichen, wird die entega dazu aufgefordert, den Ausbau von Smart-Metern für private Haushalte deutlich zu beschleunigen.
8 Wahre CO₂-Kosten berücksichtigen
Berücksichtigung eines auch für die zukünftigen Generationen realistischen CO₂-Preises von 880 €/t, wie vom Umweltbundesamt errechnet [6], bei den Kosten-Nutzen-Rechnungen in der Wärmeplanung. Dieser Preis soll auch in der Wirtschaftlichkeitsrechnung für neue Investitionen der entega angesetzt werden.
9 Wärmewende in Darmstadt koordinieren und beschleunigen
- Es wird ein Wärmerat errichtet, der den Prozess der Wärmewende begleitet. Im Wärmerat sind Vertreter der Stadt, der Energieversorger und Netzbetreiber, Verbände der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürger. Der Wärmerat hat das Ziel, die Wärmewende zu beschleunigen, tagt regelmäßig und wird über den aktuellen Umsetzungsstand informiert.
- Die Wärmewende darf nicht durch Bürokratie oder weniger relevante konkurrierende Interessen ausgebremst werden. Es braucht eine beschleunigte Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen in Darmstadt. Dafür muss die Genehmigung von Wärmenetzen oder energetischen Sanierungen beschleunigt und besser koordiniert werden.
Literatur-Quellen:
- GeoSpeicher Berlin
https://www.btb-berlin.de/innovationen/geospeicher-berlin/ Stand: 09.08.2025 ↩︎ - Energieversorger Offenbach AG.
Nothilfefonds für Menschen in finanziellen Schwierigkeiten. https://www.evo-ag.de/wir-in-offenbach/ueber-uns/news/details/nothilfefonds-fuer-menschen-in-finanziellen-schwierigkeiten ↩︎ - enercity. Beirat Wärmewende zu Fortschritten unterrichtet. https://www.enercity.de/presse/pressemitteilungen/2022/beirat-waermewende-zu-fortschritten-unterrichtet
Stand: 09.08.2025 ↩︎ - Umweltinstitut München.
Wasserstoff: zu teuer zum Verheizen.
https://umweltinstitut.org/energie-und-klima/wasserstoff/heizen-mit-wasserstoff/ Stand: 09.08.2025 ↩︎ - Stefanie Peyk, Heizen mit Wasserstoff bleibt wohl Ausnahme. https://www.tagesschau.de/wissen/klima/wasserstoff-heizen-100.html Stand: 09.08.2025 ↩︎
- Dr. Astrid Matthey, Dr. Björn Bünger, Nadia Eser. Methodological Convention 3.2 for the Assessment of Environmental Costs.
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/methodological_convention_3_2_value_factors_bf.pdf Stand: 09.08.2025 ↩︎
